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28.01.10 10:11 Alter: 184 Tage

Stephan Bodzin

Rubrik: Interviews

 

„Authentizität ist alles. Ohne die entlarvt sich früher oder später alles als leere Hülle“, behauptet einer, um den spätestens seit 2006 niemand mehr herum kommt im internationalen Technozirkus. Der Bremer Vollblutmusiker ist zum Stil prägenden Vorbild für Heerscharen von Produzenten geworden. Mit seinem Album „Liebe ist...“ setzt Stephan einen weiteren Höhepunkt seines Schaffens. Als Sohn eines experimentierfreudigen Musikers waren die Weichen früh gestellt und es war lediglich eine Frage der Zeit bis Stephan der elektronischen Musik verfiel. Eine erste Plattform bot ihm die Vertonung von Theaterstücken an mehreren renommierten europäischen Häusern. Parallel dazu entdeckte er seine Leidenschaft für tanzbare Sounds und feilte fortan mit Hochdruck an seiner Entwicklung als Produzent in diesem Bereich. Lange blieb sein überwältigendes Talent nicht im Verborgenen. Bald scharten sich Größen wie Oliver Huntemann, Thomas Schumacher oder Marc Romboy um Stephan, um mit ihm zu produzieren. Die Qualität seiner Releases ebnete Stephan den Weg in den Produzentenolymp. Mittlerweile finden sich in der Remix-Vita des Bremers Namen wie Depeche Mode, Booka Shade oder The Knife. Releases fanden ihre Plattform u.a. auf Get Physical, Datapunk, Gigolo, Systematic und Giant Wheel. „In meinen Releases und all meinen Kooperationen konnte ich meinen Ideen freien Lauf lassen und einen eigenen Stil prägen“, erklärt Stephan. „Ich habe verstanden, dass meine persönliche Definition von gut oder schlecht sehr dynamisch ist, darum ist Intuitivität bei meiner Arbeit äußerst wichtig.“ Er beschreibt sich selbst als einen „Mann der Melodien“ - „Im Wesentlichen sind es die Melodien, die in der Musik von Bestand sind.“ Die Reaktionen auf seine Produktionen geben ihm recht: Der Sound stieß in der weltweiten Clublandschaft auf brennende Gegenliebe. DJ Hell höchst selbst adelte Stephans Tunes als wegweisenden “Bremen-Sound”. Ein konsequenter Schritt war es, 2006 das eigene Label aus der Taufe zu heben. Bereits der Name ist selbsterklärend: Herzblut. “Egal wie es klingt und an welche Konventionen es sicht hält – was hier veröffentlicht wird, in dem muss Herzblut pulsieren”, beschreibt Stephan die Seele seines Imprints. Das Bremer Label-Konglomerat Plantage 13 bildet hierfür den idealen kreativen Rahmen. Eine weitere logische Folge aus dem Erfolg seiner Musik war es für Stephan, das Profil als Soloartist zu schärfen und seinen Sound als DJ selbst in die Welt zu tragen. „Dieser Schritt war für mich ein Quantensprung“, verrät er, „ich mache meine Musik, um sie zu teilen und dieses großartige Gefühl darf ich bei meinen Auftritten erleben.” Um die Intensität nochmals zu erhöhen, kreierte Stephan zu seinem Debutalbum ein phänomenales Live-Set, das exklusiv auf seiner “Liebe Ist...”-Tour zu hören sein wird. Genau wie mit seiner Musik polarisiert Stephan als DJ und Live Artist. Ein Prädikat aber gilt für alle Outputs aus dem Hause Bodzin: Sie sind mit Sicherheit authentisch.

 

Wie Sylvester bei der Ostfunk-VA für dich gewesen?

 

Das war natürlich großartig in Berlin reinzufeiern, diese Stadt ist absolut einzigartig! Die Location diente zum ersten Mal für ein Techno-Event obwohl sie dafür geradezu perfekt geeignet ist. Die VA war viel größer als ich es erwartet hatte und ein voller Erfolg. Mein Freund Marc Romboy hat vor mir ein feines, eher housiges Set gespielt. Ich hatte eigens für die Gelegenheit ein Edit von Frank Sinatras „Let it snow“ vorbereitet und habe das doch nicht gespielt, schade eigentlich ;-) Also ich hatte riesigen Spaß! Wahrscheinlich spiele ich Ende des Jahres wieder für die Ostfunk Jungs.

 

Es gibt eine Reihe von Produktionen die du mit Marc Romboy zusammen produziert hast. Wofür steht das „vs.“ bei Marc Romboy vs. Stephan Bodzin in produktionstechnischer Hinsicht?

 

Ich kenne Marc seit vielen Jahren aber wir haben erst in 2005 angefangen, zusammen zu produzieren. Marc kommt zu mir nach Bremen ins Studio und wir legen los. Es sind sehr gefühlvolle und gleichzeitig starke Tracks dabei entstanden. Ich freue mich schon auf unsere nächste Session.

 

Wie lange dauert im Schnitt eine Produktion bei euch?

 

Darauf kann ich nicht pauschal antworten. Von Stunden bis Tagen ist alles möglich.

 

Du hast am 01.01.10 in der Fabric in London mit Marc zusammen gespielt. Gehört man zur Elite wenn man es bis dahin schafft oder ist dies nur ein ganz normales Booking?

 

Ich habe mich natürlich über dieses Booking gefreut, aber jetzt nicht übermäßig. Als ich dann da war, war ich schon von diesem Klub übermächtigt. Das ist der absolut beste Arbeitsplatz, den ich mir vorstellen kann. Im DJ-Booth ist alles bis zum kleinsten Detail top professionell eingerichtet, der Soundsystem ist wirklich weltklasse und die Leute gehen so richtig ab. Was will man da mehr?

Also ist es war, die Fabric ist einfach weltklasse?

 

Es ist definitiv eines der besten Klubs der Welt. Die haben für August wieder bei mir angefragt und ich freue mich darauf!

 

Wie sieht dein Setup als Liveact aus? Mac plus Controller?

 

Mit dem neuen Album, das kommt werde ich ab Juli mit einem neuen Setup auftreten, das noch nicht ganz feststeht. Mit dem alten Setup trete ich nicht mehr auf.

 

Produzierst du noch für Oliver Huntemann?

 

Seit Olli nach Hamburg umgezogen ist, arbeitet er mit seinem Homi André Winter zusammen, der ein begnadeter Produzent ist und jetzt auch selbst auf Olli´s Label veröffentlicht.

 

Was ist das für ein Gefühl wenn man für andere bekannte Größen produziert?

 

Mit Huntemann arbeite ich seit den 90’. Wir haben schon zusammen Tracks geschraubt, da kannte ihn kein Mensch!

 

Wie siehst du die Entwicklung von deinem Sound ab 2005 bis 2009. Welche grundlegenden Veränderungen gab es für die in diesem Zeitraum?

 

Der Einfluss meiner DJ-Sets ist nicht zu verkennen, aber es ist eine ganz normale Entwicklung, eine Interaktion mit den Leuten, der Szene, usw.

 

Die Rekorder-Serie war sehr erfolgreich und bekannt gewesen. Warum wurde das Ganze nach der 10. Platte eingestellt?

 

Das war von Anfang an so geplant und wir wollten das so durchziehen, trotz des Erfolges. Das war nur konsequent. Das Projekt hat richtig Spaß gemacht.

 

Also wird es definitiv keine einzige Rekorder-Platte mehr geben?

 

„Sag niemals nie“! Aber nein, das Projekt Rekorder ist abgeschlossen und es bleibt auch so.

 

Du hast auf deiner MySpace-Seite sehr viele Videos online. Hast du immer einen Kameramann dabei?

 

Meine Frau hat die meisten Videos gedreht, da brauche keinen Kameramann ;-)

 

Was steckt hinter Plantage 13?

 

Das ist meine Plattenfirma und Booking Agency, meisterlich geführt von meinem Freund Jan Langer.

 

Es gibt von dir ein ehr ungewöhnliches Pressebild bei welchem dir Kabel aus dem Mund kommen. Wie kommt man auf solche Ideen?

 

Man steckt sich einfach Kabeln in den Mund! Ich werde bei solchen Sachen immer sehr kreativ und mache auch gerne verrückte Dinge, die Natascha Romboy kunstvoll ablichtet.

Was kommt als Nächstes auf Herzblut? Ist was Neues geplant?

 

Eine VÖ von meinem Freund Nicolas Masseyeff mit ganz fetten Remixen von Oxia und Gabriel Ananda! Und irgendwann 2010 dann auch mein Album Nummer 2.

 

Wird das Album auch Kooperationen mit anderen Künstlern enthalten?

 

Wie auch für „Liebe ist...“ werde ich allein werken.

 

Wie sieht es eigentlich mit den H-Man. Ich habe lange nichts mehr gehört was diese Produktionen angeht.

 

Ist vom Dach gefallen der Junge.

 

Das ist sehr, sehr schade. Ich bedauere das zutiefst, da ich mich als stolzer Besitzer aller H-Man Platten bezeichnen kann. Gibt es nicht noch eine kleine Chance auf ein Comeback?

 

Tut mir Leid, aber es steht überhaupt nicht an.

 

Dein nächster Gig in Brandenburg ist am 20.02.10 im Waschhaus in Potsdam bei Boogie3000. Was können wir von dir dort erwarten?

 

Eine handvoll Techno!