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26.01.10 20:27 Alter: 185 Tage

02/2010 - HipHop ist tot

Rubrik: Kolumne

 

Wer einmal bereit war über den elektronischen Tellerrand hinaus zu schauen und einen Blick in die momentane Musiklandschaft geworfen hat, dem sollte aufgefallen sein, dass etablierte HipHop-Acts im Vergleich zu den Veröffentlichungen der Vorjahre kaum noch Platz in den populären Charts finden. Die goldenen Hochzeiten der Aggros und Konsorten der letzten drei Jahre haben vorerst einen neuen Tiefpunkt erreicht. Ein kurzes Aufbäumen von Bushido und Co, die versuchen ihre verkorkste Jugend auch noch prahlerisch ins Kino zu bringen, kann meines Erachtens kaum zu einer spontanen Trendwende führen. Größter Tiefschlag war im letzten Jahr wohl Bushidos Featuring mit Biene Maja-Sänger Karel Gott, welches man versucht hat mit  aufgesetzter Kredibilität an den Mann zu bringen – und das zu meinem Entsetzen noch mit Erfolg. Wenn schon Schlager als Innovationsträger für diese Musik herhalten muss, dann sollte das doch einem zu denken geben. Was die Atzen vor gut einem Jahr mit ihrem elektronisch angehauchten HipHop  massenkompatibel gemacht haben, ist in anderen Ländern sowieso schon seit einiger Zeit gang und gebe. HipHop-Dance-Mischmasch sozusagen. Das dann auch noch elektronische Acts mehr und mehr Vocals oder sogar Rap-Lyrics für sich entdecken, tut dann sein übriges, dass HipHop und Elektro sich irgendwo in der Mitte treffen. Böse Zungen würden jetzt behaupten, das HipHop nun mal tot ist und kein Wunder das deren Anhänger sich nun an den elektronischen Zug ankoppeln. Und mal im Ernst, welche Innovationen hat der Sprechgesang außer 90er Jahre Autotune-Effekt auf den Stimmen durchlebt? Im Direktvergleich bietet Elektro/House einfach mehr Möglichkeiten in der Komposition, also instrumental, etwas wirklich Neues zu schaffen und diese Freiheit kann natürlich auch Produzenten aus anderen Stilistiken begeistern. Selbstverständlich wird der reine HipHop nicht sterben – das ist nur provokativ angedacht und soll nur den aktuellen Trend aufzeigen. Er wird es in 2010 immer schwerer haben einen größeren Hörerkreis zu finden, ebenso wie etwa undergroundige Techno-Spielarten. Aber was soll´ s – Hauptsache Party sag ich immer. Am Ende ist nur eins Gewiss – alle Trends kommen und gehen und tauchen früher oder später in der Musiklandschaft eh wieder auf.  Also keine Angst, HipHop lebt.

 

Euer Andreas