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25.05.09 11:55 Alter: 1 Jahre

06/2009 Türstehergespräche

Rubrik: Kolumne

 

Es war vor nicht allzu langer Zeit. Die Sonne hat den ganzen Tag geschienen und  die Hitze entwickelte sich zu einer angenehmen nächtlichen Wärme.  Meine Freunde  drängten auf einen weiteren Partybesuch. Ich hatte zwar überhaupt keine Lust, ließ mich jedoch überreden und so stand ich nun in einem Club, irgendwo in Brandenburg, nicht wissend, wo ich gerade war. Mittlerweile war es 3 Uhr: Der Club voll, die Schlange leer und so kam mir die Idee, mich zu dem Türsteher zu gesellen. Der (Nennen wir ihn Paul) stand ganz allein, langweilte sich sicher und ich hatte eh nichts zu verlieren. Wie sich herausstellte, freute  sich Paul über meine Anwesenheit (oder mein Feuerzeug?) und erzählte mir vom Alltag eines Türstehers. Fangen wir bei der Türpolitik an. Die bestimmt der Clubbesitzer, nicht der Türsteher. Zum Beispiel ist eine gute Männer-Frauen-Quote essentiell, damit es jedem Spaß macht. Je mehr Frauen, umso besser. Wenn Mann dennoch in einer großen Männergruppe kommen will, sollte Mann wenigstens früh kommen. Da lässt Paul wohl Ausnahmen zu. Wer zu spät kommt, hat allerdings Pech gehabt. Von daher bringt eine Diskussion rein gar nichts. Interessanterweise sind es dann meist die Frauen, die meinen, sie könnten mit ihren Reizen noch irgendwas drehen. Das nervt Paul natürlich. Ganz beliebt sind auch Ausreden wie „meine Freunde sind aber schon drin“, „ich muss auf Toilette“ und „ich kenne den Besitzer“. Wird wohl seinen Grund haben, warum der Möchtegern-Gast nicht auf der Gästeliste des Besitzers steht. Viel mehr gibt es zur Türpolitik nicht zu sagen. Paul hat aber noch mehr zu erzählen gehabt und berichtete mir von lustigen Geschichten. Zum Beispiel gibt es einen Rentner, recht verwahrlost, stinkt bis zum Himmel und singt ständig von Marianne Rosenberg irgend so ein Lied. Fast jeden Abend bringt er Paul eine Brezel vorbei und geht weiter. (Paul meint, das ist ein Zeichen von Vereinsamung.) Dann hatte er mal zwei Jungen vor sich stehen, wahrscheinlich keine 13 Jahre alt, aber mit Personalausweisen.  Da haben die tatsächlich die Ausweise ihrer Väter gemoppst, ihr Bild darauf geklebt und wollten als 40-jährige durchgehen. Seine Lieblingsgeschichte handelt jedoch von einem Typen, der ein Päckchen Pillen (ja ja, keine Kopfschmerztabletten) und ein Katzenbaby unter der Jacke hatte. Seine Ausrede „Ich weiß nicht, wie die dahin kommen, die muss mir wohl jemand eingesteckt haben.“ Äh ja….

Eure Houzecat